Erste Hilfe im Sportverein etablieren: Was wichtig ist
Notfälle lassen sich im Sport nicht vollständig vermeiden. Verletzungen, akute Erkrankungen oder ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand können jederzeit auftreten – beim Training, im Wettkampf oder während einer Vereinsveranstaltung. Umso wichtiger ist es, dass Verantwortliche wissen, was zu tun ist, und der Verein organisatorisch vorbereitet ist.
Nach Angaben des Deutschen Rates für Wiederbelebung erleiden in Deutschland jährlich mehr als 120.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nur etwa jede zehnte betroffene Person überlebt. Ohne Herzdruckmassage können bereits nach drei bis fünf Minuten irreversible Schäden im Gehirn entstehen. - Im Ernstfall zählt deshalb jede Sekunde. Schnelles und entschlossenes Handeln kann Leben retten.
KSB-Bildungsreferent Fabian Melzer ist selbst Erste-Hilfe-Ausbilder und empfiehlt, das Thema dauerhaft im Vereinsalltag zu verankern:
„Leben zu retten gehört zum Glück nicht zu den alltäglichen Aufgaben in der Vereinsarbeit. Was wir nicht regelmäßig anwenden, vergessen wir jedoch schnell. Deshalb ist es wichtig, Erste-Hilfe-Wissen immer wieder aufzufrischen und praktisch zu trainieren.“
Ein Erste-Hilfe-Kurs ist Voraussetzung für die Ausstellung einer Trainer- beziehungsweise Übungsleiter-Lizenz. Die einmalige Teilnahme sollte jedoch nicht als dauerhafte Vorbereitung betrachtet werden. Sinnvoll sind regelmäßige Auffrischungen und praktische Übungen.
Solche Fortbildungen können in Kooperation mit dem KSB Börde gemeinsam mit Übungsleitenden, Betreuerinnen, Sportlerinnen, Eltern und weiteren Engagierten durchgeführt werden. Je mehr Personen die grundlegenden Abläufe kennen, desto größer ist die Handlungssicherheit im Ernstfall.
Neben den Fähigkeiten einzelner Personen empfiehlt Fabian Melzer klare organisatorische Strukturen:
„Wenn wirklich etwas passiert, kann es sehr beruhigend sein, wenn der Verein über ein Erste-Hilfe-Konzept verfügt. Es regelt wichtige Abläufe – von der Erstversorgung über den Notruf bis zur Dokumentation des Unfalls – und schafft in einer emotionalen Ausnahmesituation Orientierung.“
Ein solcher vereinsinterner Handlungsleitfaden kann festlegen, wer im Notfall welche Aufgaben übernimmt. Er kann unter anderem enthalten:
feste Ansprechpersonen für Erste Hilfe,
den Standort der Verbandkästen und eines möglichen Defibrillators,
regionale Notfallkontakte,
die vollständige Anschrift und Zufahrtsbeschreibung der Sportstätte,
Regelungen für den Empfang und die Einweisung des Rettungsdienstes,
Zuständigkeiten für die Betreuung weiterer Gruppenmitglieder,
Vorgaben zur Dokumentation und Nachbereitung eines Vorfalls.
Die Abläufe sollten allen Verantwortlichen bekannt sein und regelmäßig überprüft werden. Auch bei Auswärtsspielen, Trainingslagern und Veranstaltungen außerhalb der üblichen Sportstätte muss geklärt sein, welche Ausrüstung und Kontakte zur Verfügung stehen.
Die beste Ausbildung hilft nur eingeschränkt, wenn das erforderliche Material fehlt oder nicht erreichbar ist. Verbandkästen sollten gut sichtbar gekennzeichnet, jederzeit zugänglich und regelmäßig auf Vollständigkeit sowie Haltbarkeit kontrolliert werden.
Bildungsreferent Melzer rät folgendes zu bedenken:
„Viele Sportstätten im Landkreis befinden sich in kommunaler Trägerschaft und werden von unterschiedlichen Vereinen, Schulen und Gruppen genutzt. Ein vollständig und aktuell ausgestatteter Verbandkasten ist dort leider nicht immer selbstverständlich. Vereine sollten deshalb selbst regelmäßig kontrollieren, was vor Ort vorhanden ist.“
Als Orientierung dienen die Normen DIN 13157 für kleinere und DIN 13169 für größere Verbandkästen. Die derzeitigen Fassungen stammen aus dem Jahr 2021. Unter anderem gehören Gesichtsmasken, Feuchttücher, Einmalhandschuhe, Rettungsdecken und Kälte-Sofortkompressen zur vorgesehenen Ausstattung.
Verbrauchtes oder abgelaufenes Material muss zeitnah ersetzt werden. Sinnvoll ist eine dokumentierte Kontrolle in festen Abständen und vor größeren Veranstaltungen.
Ein automatisierter externer Defibrillator, kurz AED, kann bei bestimmten Formen eines Herz-Kreislauf-Stillstands einen lebensrettenden Stromstoß abgeben. Die Geräte führen Ersthelfende mit deutlichen Sprach- oder Bildanweisungen durch die Anwendung und analysieren selbstständig, ob eine Schockabgabe erforderlich ist.
Trotzdem bestehen häufig Unsicherheiten und die Sorge, etwas falsch zu machen. Gerade deshalb sollte die Anwendung im Erste-Hilfe-Kurs praktisch geübt werden. Wichtig bleibt: Bei fehlender oder nicht normaler Atmung sofort den Notruf 112 veranlassen, mit der Herzdruckmassage beginnen und den AED einsetzen, sobald er verfügbar ist.
Erste Hilfe umfasst mehr als Wiederbelebung und Wundversorgung. Sie beginnt laut Melzer bereits bei der Unfallverhütung, einer sicheren Trainingsgestaltung und der frühzeitigen Aufklärung über Gefahren:
„Erste Hilfe besteht für mich nicht nur aus den lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Sie beginnt bei der Prävention, umfasst die Betreuung einer verletzten Person und reicht bis zum verantwortungsvollen Umgang mit Beschwerden in den Tagen nach dem Ereignis.“
Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollten wissen, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten, wo sich Erste-Hilfe-Material befindet und an wen sie sich bei Beschwerden wenden können. Die Übungsleitenden sollten Belastungen angemessen steuern, Sportflächen und Geräte kontrollieren und auf erkennbare gesundheitliche Probleme reagieren.
Bei starken Schmerzen, Fehlstellungen, Bewusstseinsstörungen, Atemproblemen, anhaltenden Beschwerden oder Unsicherheit muss professionelle medizinische Hilfe hinzugezogen werden. Auch vermeintlich kleinere Verletzungen sollten beobachtet und bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abgeklärt werden.
Ein gut vorbereiteter Sportverein verfügt nicht nur über einen Verbandkasten. Er schafft klare Abläufe, qualifiziert seine Engagierten und trainiert den Ernstfall. Dazu gehören regelmäßige Erste-Hilfe-Kurse, bekannte Notfallkontakte, kontrollierte Ausrüstung, ein möglicher AED sowie eine offene Sicherheitskultur.
Erste Hilfe sollte deshalb nicht erst dann zum Thema werden, wenn tatsächlich etwas passiert.
Der Kreissportbund Börde empfiehlt seinen Mitgliedsvereinen, die bestehenden Strukturen zu überprüfen und Erste Hilfe als festen Bestandteil der Vereinsorganisation zu verankern. Denn gute Vorbereitung schafft Sicherheit – und kann im Ernstfall Leben retten.
Weitere Informationen
Veröffentlichung
Bild zur Meldung
Weitere Meldungen

Diskriminierung nicht allein begegnen: Antidiskriminierungsberatung jetzt auch in Haldensleben
Di, 04. August 2026

Herzlich willkommen beim KSB Börde, Romy Mantey
Mo, 03. August 2026